9. Ausgabe, 03.05.2015


Liebe Kunstfreunde!

Die Troika kommt nicht nach Kiel, nein, nein! Die hätte vor den U-Boot Deals kommen müssen. Dafür will ein Verein vier andere Griechen wieder auferstehen lassen, die seit siebzig Jahren verschütt gegangen sind. Allesamt helle Köpfe, leuchtende Birnen mit über 2000 Jahren Strahlkraft. Sie sollen wieder eine Aufgabe mitten in Kiel finden. Mir ist noch nicht so richtig klar welche. Der eine stammt ja aus Stageira (wie bekannt) von der Chalkidiki. Hat sich auch schon als Lehrer rumgeschlagen mit dem größenwahnsinnigen Alexander dem (Großen). Bei dem Bombardement von Kiel ist er allerdings kopflos geworden. Verständlich. Sehr schlecht für einen Philosophen wie Aristoteles. Aber die Uni ist ja fit und bastelt den Kopf nach. Irgendwo war noch ein Foto. Von einem andern der Viererbande, Platon, habe ich mal ein Buch gelesen vor 40 Jahren. Das einzige was hängen blieb war, dass sich die Welt in Würfel und Kugeln aufteilt. Auf meinem weiteren Lebensweg hat sich das nicht bestätigt, beim Billard schon gar nicht, obwohl diese These aus „Timaios“ mein Examensthema war.

Dann sind da noch Solon und Hippokrates. Die Griechen kriegen 500 000 Euro Begrüßungsgeld, wenn sie sich restauriert wieder der Öffentlichkeit stellen. Bei solch großen Namen eher wenig. Aber wenn sie dann anrollen, sei es aus Thassos Marmor oder Spritzbeton, dann hat Kiel vier Skulpturen, die Sicherheit im Denken geben und den Blick zurück kultivieren. Wenn ganze Schlösser wieder aufgebaut werden (Braunschweig, Berlin), braucht einen das nicht zu wundern. Vor 1945 hatten die Vier sehr dicke Wolldecken um sich geschlungen, wohl in Kenntnis des Kieler Klimas. Das schränkte leider die Ausdrucksfähigkeit ihrer Körpersprache stark ein. Eine Toga is nix für to go. So starrten sie jahrelang durch den Schlossgarten Richtung Schloss und machten sich eventuell noch Gedanken darüber, warum Katharina (die Große) nicht in Kiel geblieben ist. Vor 1945 hatten sie auch die Werft mit den U-Boot Hellingen im Blick. Sie haben aber nix dazu gesagt, wie Denker so sind … Sie sollen ja das Denken erleichtern. Sehr sinnvoll! Warum gab es eigentlich bisher keinen alternativen Wettbewerb unter Zeitgenossen: „Vier alte Männer mit Bart“?

Hoffentlich jetzt zum letzten Mal das U-Boot Thema, aber die Realität liefert ständig Stoff nach: Nun wollen evtl. die Australier ein Rudel in Kiel kaufen. Die Kangoo-Version soll im Bauch eine beutelartige Höhle bekommen mit einem kleinen U-Boot drin. Damit können sie den Aborigines die Krokodiljagd erleichtern. Warum heissen die eigentlich „Aborigines“ und nicht „Origines“? Weiß kein Mensch. Auch nicht die vier Philosophen. Die alten Lateiner meinten mit den „ab origines“ evtl. die Griechen. Lag bei denen etwa der Nabel der Welt (Omphallos)? Lustig odrr?

Mein Lieblingsphilosoph ist Sokrates, dessen Vater Steinmetz war. Sehr bodenständig. Bestimmt hat das seine Pädagogik als Lehrer von Platon gestärkt. Von ersterem stammt der weltberühmte Satz: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Wenn ein Lehrer das sagt, oho! Als Schüler hat man da schlechte Karten. Ich weiß gar nicht, warum ich auf den Satz nicht selbst gekommen bin.

Ich bin doch blöd.
Ben Siebenrock