5. Ausgabe, 05.04.2015


Liebe Kunstfreunde!

Nun ist es doch passiert! Was? Er war schneller als ich. Wer? Der Hase. Wo?

In einem „Konsumtempel“ (ich liebe nicht das Wort „Einkaufszentrum“, weil genauso viel verkauft wird). Der Hase stand vor mir und bedeutete mir durch seine Anwesenheit: „Ick bün ahl dor.“ Eigentlich ist das meine Rolle, denn mein Sternzeichen ist der Igel. Da stand das Tier vor mir und glotzte einfach über mich hinweg. Keine Kunst bei 7m Gesamthöhe, voll vergoldet. So ein aufgeblasener Typ und aalglatt. Entweder sie haben ihn rasiert oder ihm einen goldenen Taucheranzug verpasst. Eigentlich neigen Diktaturen zu riesigen Monumenten, sei es in einem Disney-Park oder in Nordkorea. Um welche Diktatur geht es hier? Die Hasendiktatur? Der riesige Goldhase ist der trojanische Führer einer Armee von Goldhasen, die Ostern unser Land überschwemmen wird. 70 Jahre nach Kriegsende sollen sich einige Divisionen aus dem Aachener Raum in einer gewaltigen Zangenbewegung mit der Schweizer Goldhasengarde vereinigen. Die Hasengruppe West stürmt nachts durch den Elbtunnel (wann sonst) und die Heeresgruppe Süd über die Elbbrücken bei Hamburg und Lauenburg.

Das Motto der Armee ist: „Taler, Taler, Du musst wandern …“ Damit es ordentlich in den Kassen klingelt und sie sich beim Sturmangriff nicht aus den Ohren verlieren, haben sie alle ein Glöckchen um. Vor allem Zuckerkranke sollten in der Hasenschlacht Schutzräume aufsuchen. Die Entscheidungsschlacht wird im Großraum Steinpark Warder – Kiel erwartet.

Jedenfalls wäre es nach meinen Abhandlungen zum Thema „Die unkaputtbare Skulptur“ (s. Ausgabe Nr. 3) interessant zu wissen, wie der IS auf eine Begegnung mit dem Jahrtausende altem Symbolträger der Fruchtbarkeit aus dem vorderen Orient reagieren würde. Bis vor kurzem wußte man nicht, wie eine Häsin noch vor der Geburt eines Wurfes schon wieder schwanger werden kann. Sagte der Papst nicht neulich: „Die Hasen sollen nicht so rammeln wie die Katholiken“?

Wenn also der IS tatsächlich bis nach Kiel-West käme und den Konsumtempel stürmte, würden sie sich wundern, welchen Göttern da gehuldigt wird? Oder würden sie in ihrer Blödheit glauben, dass der Goldhase unter seiner Oberfläche aus Schokolade besteht? Schokolade wäre in sofern unkaputtbar, weil durch den Aufschlag einer Gewehrkugel so eine Hitze entstehen würde, dass das Loch wieder mit Schokolade verschmelzen würde.

Eine andere Frage bewegt mich noch: würde der IS auch den riesigen Lenin-Kopf aus ukrainischem Granit zertrümmern, der in Ost-Berlin stand? Oder die Präsidenten-Porträts in den Rocky Mountains? Ich vermute, das wäre denen zu viel Arbeit. Die Frage ist ja auch, ob das wirklich Kunst ist. Man kann dem IS Lenins Kopf auch nicht mehr als Köder hinstellen, weil er verbuddelt ist und die Verantwortlichen wissen nur, dass er in einem Wald bei Berlin liegt, aber nicht wo.

Die Idee mit dem Verbudddeln von Skulpturen, wie ich sie in der 1. Ausgabe angesprochen habe, ist uralt. Man denke nur an die chinesischen Tonsoldaten, die ihren unterirdischen Dienst verrichten. Hasenherzen aller Länder, vereinigt Euch!

Ich würde es gerne tun, aber ich weiß nicht, wie es geht.

Ich bin doch blöd.
Ben Siebenrock