34. Ausgabe, 03.07.2017


Liebe Kunstfreunde!

Säcke zusammen nähen im Levo-Park?

Auf der Documenta in Athen werden Säcke zusammengenäht, eine Performance unter einem freien Kunsthimmel.“Performance“ ist sowieso ein Zauberwort in der Kunst: man muss höllisch aufpassen, dass man alles mitkriegt und möglichst filmt, wegen der Aura des Einmaligen! Aber wenn es vorbei ist, ist es auch gut – vorbei und vergessen. Alles andere verstaubt im Museum.

Der materielle Aufwand hält sich bei einer Aktion s.o. meistens in engen Grenzen (arte povera) und belastet so nicht das Staatssäckel, was im Fall von Athen auch überaus politisch korrekt ist.

Arm dran war auch der Hodensack (oder sollte man besser von Beutel sprechen) des Künstlers Pawlenski, den dieser 2013 am „Tag der Polizei“ in Moskau auf dem Roten Platz festnagelte mit einem 10 cm langen Nagel (Materialkosten 10 Cent). Danach war der Rote Platz noch röter.

Aber es gibt auch Städte, die arm dran sind und weder Licht noch Geld im Sack haben. Dazu gehört jetzt Bad Segeberg, bekannt durch „Möbel-Kraft“ und  Event-Freude. Nach dem G36 (Gewehr) und G7 Skandal (Sizilien) nun  im Vorspiel des G 20 noch einer! G mir los! Der Zipfelgipfel (außer Angie und dem May-Glöckchen) hat den Schwerpunkt „Afrika“. Das dürfte auch Präsident Zuma aus Südafrika freuen, zumal der Polygamist auch mitmachen darf. (Wird der Im Hagenbeck-Park untergebracht?) Das passt sehr gut zum Levo-Park (nicht zu verwechseln mit Lego-Park), denn Levo ist eine Abkürzung für Lettow-Vorbeck, des Kaisers Schlächter im 1. Weltkrieg in Ostafrika.

So wird Geschichte lebendig: im Levo-Park waren viele afrikanische Flüchtlinge in Containern untergebracht, doch so eine Performance wie neulich haben sie nicht zustande gebracht. Man braucht dazu 200 Polizisten und innen, freie Zeit, jede Menge Alkohol und den angesoffenen Mut zur Auflösung von Samen – und Urinstaus. Ein Lebensgefühl, das seit Woodstock nicht mehr aus dem Knick kam. Sex wurde nicht in irgendeine cloud ausgelagert, sondern öffentlich vollzogen, ein Beispiel für Transparenz und öffentlicher Teilhabe am tragenden Staatskörper. Ökologisch überhaupt nicht zu bemängeln, genau so wenig wie gemeinsames Strullen durch den Zaun der ehem. ehem. ehem. Lettow-Vorbeck Kaserne, angetreten in Reih und Glied – eine menschliche Waschstrasse für die vorbeifahrenden Dreckschleudern – eine Demonstration gegen die aktuelle Gülleverordnung. Das kommt dabei raus, wenn man die Polizei nicht bei den Karl – May Spielen mitmachen lässt, obwohl sie richtige Ballermänner haben. Dann ist Mayday (SOS).

In Bad Segeberg pufft und knallt es oft, vor allem, wenn auf dem „Kalkberg“ (Gips doch nicht!) dem Karl May  (nicht verwandt mit Theresa May) gehuldigt wird. Zwar hatte Goebbels die Arena eingeweiht, damit sie eine „Kirche des Nationalsozialismus“ werden sollte, aber manchmal ist es ganz gut, wenn etwas dazwischen kommt. An den 20000 Fledermäusen, die da wohnen, lag es nicht. Sonst wären sie Kirchenmäuse geworden.

Kommen Sie gut drum herum!
Ben Siebenrock