31. Ausgabe, 09.12.2016


Liebe Kunstfreunde!


Wespentaille

Wer kennt noch die Wespen- oder Hornissentaille? Oben Tüten und unten Glocke. In der Mitte Gürtel auf dem ersten Loch. Ich erinnere mich noch sehr deutlich an die Zeit, wo ich noch unter einen „Petting-Code“ gepasst hätte. „Du-bab-baluba, hix-hix“ und „Rock around the clock“, womit keine Sanduhr gemeint sein dürfte. Keine Rieselei sondern was zum Aufziehen. Als ich konfirmiert wurde, rutschten die Röcke immer höher (wie der Hormonspiegel). Was hat sie bloß wieder in die Länge gezogen? Der Winter in der Ölkrise?

Einschnürwellen gab es auch im Rokkoko und dann noch mal im 19. Jahrhundert. Kann mir das mal einer erklären? Nach dem Krieg konnte man den Gürtel leichter enger schnallen. Aber warum am Hofe von Louis 14.? Hatten die Maitressen nichts zu futtern oder nur nichts zu lachen? Oder beides? Und dann noch mal im 19. Jahrhundert wurde geschnürt bis zum Anschlag. Oder geht es immer hin und her zwischen Naturform und Self-Bondage??

Die Wespentaille entspricht dem Modell der Sanduhr. Ein nicht mehr aktuelles Gerät zur Zeitmessung und bei Jugendlichen vielleicht gar nicht mehr bekannt. Ich sehe in der Sanduhr das soziologische Symbol unserer Gesellschaft: oben Masse, unten Masse, dazwischen wird es eng. Bildung teilt sich z.Z. nach oben und unten und damit das Verhältnis zur Kunst. In der Mitte wird es immer dünner und die Rieselei (Wissenstransfer)
in der Sanduhr gerät ins Stocken. Auch wenn man sie auf den Kopf stellt.

„Hast Du in der Mitte eine Delle, dann hilft nur auf die Schnelle ein großer Kübel Tagliatelle.“

Meine persönliche Rekordzunahme über Weihnachten wurde durch eine gigantische Pute (oder war es ein Vogel Strauß?) verursacht. Diesmal muss eine Ente aus Oha (den Ort gibt es wirklich) reichen, die bis zur Geflügelpest frei herumlief.


Eselei

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Damen in den TV-Nachrichten ständig mit hohen Hacken an eleganten Tresen („Ein kühles Blondes!“) rumlaufen? Ich höre richtig, wie sie ihre Hallux-Stöckel nach der „Show“ (allein der Name!) in die Ecke donnern. Die sollen Nachrichten sprechen. Sonst nix. Wer das alles verantwortet bei den Sendern, der sollte den Gürtel noch enger schnallen, möglichst am Hals (s. Ingo Affelt) – meiner ist jedenfalls geschwollen.

Mich interessiert nicht, wie lang der Rock ist oder eine Hose beult. Ob ich es noch miterlebe, dass Linda Zervakis einen Sirtaki und Susanne Daubner einen Strip hinlegt, bloß damit sie noch ein paar Katastrophen-Süchtige im Öffentlichen Fernsehen halten? Wie wäre es mit Jan Hofer und Judith Rakers samt Leihbaby als „Heilige Familie“, die nur Positives verkündet in einer Krippendeco samt Ochs und Esulein (geliehen aus dem Tierpark Warder)? Da bleibt kein Auge trocken. Artvend! Artwend!


Ich wünsche Ihnen eine erleuchtete Zeit (u.a. durch Kunst), sei es mit oder ohne „Rettungsring“.

Alles Gute!
Ben Siebenrock


Im Januar kommt mein neues Buch „OBSTZÖHN !“ heraus.