28. Ausgabe, 27.07.2016


Liebe Kunstfreunde!

„Halt! – Mein Schiff!“ Aber Halt! Da hab ich zwei Sachen vermischt.


Zum ersten:

Klingt ja so wie: „Halt stehenbleiben! Militärischer Sicherheitsbereich. Schusswaffengebrauch!“

Aber mein „Halt“ kam aus dem Hinterhalt: Eine junge Kulturschaffende wurde zu einem Projekt im Radio befragt. Sie hatte halt gleich bei der beabsichtigten Sendezeit den „Halt“-Effekt mit eingeplant: „Wir haben uns halt gedacht, dass man halt die Leute zusammenholen muss. Es hat halt jeder hier so eine Idee, die er in der Schublade hat und die wollen wir halt zusammenbringen. Wir dachten, nehmen wir halt eine Haltestelle. Da kommt halt jeder zur Ruhe. Und dann übertragen wir das halt mit Satelliten. Früher gab’s dafür halt die Anhalter hier am Anhalter Bahnhof. Die konnten halt auch nicht so einfach per Anhalter durch die Galaxis.“ „Halt!“ ruft der Interviewer, „Die Sendezeit ist um!“

Früher kursierte die Theorie, dass Leute, die oft „Äh“ und in der gepflegteren Art und Weise „Ahäm“ sagen, besonders durch diese Pausen ihr Denkvermögen anstacheln, obwohl ich immer davon ausging, dass es denkfreie Geräuschpausen sind. Bei der Kulturschaffenden (sie kam natürlich aus Haltern) schien mir der Rest ihrer Einlassungen zwischen den „Halts“ so denkfrei zu sein, dass wenigstens die „Halts“ etwas Halt boten.


Nun zu „Mein Schiff 5“:

Ja wessen bloß. Meins nicht, Deins nicht. Fünf Dinger hat davon jemand, der diese horizontverdunkelnden Dekadenzkolchosen in die Welt gesetzt hat. An Bord sollen Tausende von Kunstwerkensein. Kannste koofen. Fotos für 1.500.– und sogar Dreidimensionales. Aber alles geprüfte „Wohlfühlkunst“, in der weder Sex noch Drogen drin vorkommen dürfen. Ja was bleibt denn dann noch übrig? Tröstlich finde ich allerdings den Gedanken, dass alle meine Werke (z.T. unter Tabak- und Alkoholeinfluss entstanden) knapp auf so einen Pott passen würden. Ich spare schon mal. Dann würde ich ihn „Unser Schiff Sex“ nennen.

Nur Rotlicht an Bord, fährt also nur backbords um Helgoland herum oder ab ins Bermuda Dreieck, wo es schon reine Nudistenschiffe gibt. Bei der Belegung liegen dann schon die rosa und blauen Pillen und das übliche Werkzeug auf dem Bett. Es heißt nicht zufällig „Deck“. Auf 17 Decks arbeiten die Decksmänner für die See-Kuh-Rity. Die Clubs heißen: „Swinger“, „Dicke Dinger“, „Böse Finger“, „Alte Ringer“, „Sing-Singer“, „Knotenschlinger“, „Dauerbringer“ etc. Für die Massai-Hai-Thai-Geschrei-Massage etc. sind im Rahmen der Kloballisierung die Damen aus der Küche halbtags zuständig. Leider haben Studien ergeben, dass Raub und Vergewaltigung an Bord stärker vertreten sind als sonst. Täter? Meistens das Personal! Es könnte auch Sonderreisen geben für freiwillige IS-Leute. Für die gibt es dann 49 Jungfrauen auf jedem Deck, gesponsert von Katar oder so. Aber vorher noch mit Lego-Shooting und garantiertem Untergang, evtl. mit dem arbeitslosen Kapitän Schettino von der Costa Concordia.


Ich suche endlich einen Urlaub ohne Mücken, ohne Künstler, norwegische Fjorde ohne Auto, jeden Tag neue Eindrücke, kein Kochen, kein Putzen etc. Ich bin bald reif für eine Probefahrt – vielleicht mit Seidenmal-Workshop.

Schöne Ferien wünscht
Ben Siebenrock


Super-Buchtipp für Kreuzfahrer: „In 180 Tagen um die Welt“ von M.Politychi (Thanks to M11)