27. Ausgabe, 20.06.2016


Liebe Kunstfreunde!

Jetzt ist Spötterdämmerung.

Schluss mit Lustig, es ist zu frustig!
Kaba-Retter bohren Balsabretter.
Ab jetzt wird nur noch gelobt,
Auch wenn der Mob viel lieber tobt.
Max Ernst hatte ein Alter Ego,
Das hieß Lop Lop und nicht Lego.
Lob Lob ist eine Hymne wert
Spott wäre da total verkehrt.


Wer endlich mal in Ruhe seine Memoiren oder einen Kieler „Tatort“ schreiben will, der gehe in die Kieler Kunsthalle. Große, helle, menschenleere und beheizte Räume, vor allem in der Antikenabteilung. Da stehen jetzt ein paar nagelneue Gipse herum, die so frischrasiert aussehen wie vor einer OP. Aber was wären wir ohne die Griechen?

Es gibt auch Tische in der verwaisten Cafeteria, an denen man sein Picknick verzehren kann, bzw. seinen laptop aufbauen kann ohne störende Kunst.

Noch dient das Gebäude nicht als Fürchtlingsunterkunft, wahrscheinlich, weil es der Universität gehört. Anhand der Kunst aus Vorderasien könnten die Fürchtlinge ihren Weg durch die Kulturen nachvollziehen. Da die Frauenklinik nebenan aus alles Nähten platzt, dräut sogar einen Tausch mit den provisorischen Klinik-Containern. Statt Kunstkreis ein Kreiss- und Kreischsaal. Oder das ganze wird eine Spezial-Kita. Die Hälfte des Kunstinstitutes wird schon mit Kunstpädagogik für Kinder bespasst, damit nicht so viele ästhetische Krüppel wie in meiner Generation und davor entstehen. Da kann man sich jetzt schon mal wunderbar in seine eigene Kindheit fallen lassen. So man will. Die Münchener haben mit dem „Haus der Kunst“ immer schon die Nase vorn, wenn es um neueste Trends geht. Nun soll der Koloss in eine Art Mehrzweckhalle umgebaut werden – aus einem Tanker wird ein Kreuzfahrtschiff. Für Tanz, Kino, Theater, Performance und was es so alles gibt und geben wird – eine „Universalbühne“ wie es im Globalsprech des Haus-Meisters heißt. Irgend etwas zwischen Striptease und Kurkonzert. Ist doch toll. Dann braucht man auch keine eigene Sammlung. Die Uni könnte auch die ihre verhökern und mit dem Erlös mal schick was virtuell, visuell, spirituell, superschnell, kommunikativ, nachhaltig in kleinen Partyhäppchen abfeiern. Es heißt nicht umsonst „Kunst-HALLE“, eine Trink-HALLE für geistig-kulturell Verdurstende. Ist eine HALLE-ZU-NATION nur eine Halluzination?

Ben Siebenrock


Übrigens:
Was ist die Steigerung von Blattspinat?
Blatterspinatter.