21. Ausgabe, 13.11.2015


Liebe Kunstfreunde!

Da macht man sich schon mal auf in die „Hauptstadt der Bewegung“ und muss feststellen, dass sich im Haus der Kunst gar nicht so viel bewegt, bzw. nichts ist, was mich bewegt. Es mag symbolisch sein, das keine 100 m entfernt im sog. Eiskanal die Surfer hektisch auf einer stehenden Welle reiten, was einem Kieler etwas befremdlich erscheint. Bewegung ohne Fortbewegung. Obwohl Hanne Darbooven eine riesige Bühne für ihre massenhafte gerahmte Kunst geboten wird, „springt nichts über“, wie es Stefanie Unruh nannte.

Auf merkwürdige Weise passen die Bilder zu der starren Architektur des Hauses. Wenn man den Fussboden betrachtet mit seinen großen Steinfliesen aus rotem Kalkstein (evtl. „Deutsch Rot“ von der Lahn) und dem subtilen Linienspiel der Quarzadern darin, kann ich daraus einen größeren Infomationsgewinn erhalten als aus der ganzen Ausstellung, bei der sich die Frage stellt, ob Tausende belanglose Nachrichten durch simple Wiederholung bedeutsam werden.

Ist es der Machtanspruch, der das Banale adelt? Konzeptkunst hatte in München schon immer einen fruchtbaren Boden. Vielleicht weil sie als besonders intelligent gilt wegen ihrer erbarmungslosen Durchhaltekonsequenz? Als Strukturalist kommt man da auf üble Vergleiche mit dem „Vierer“ (beim Satiriker Ludwig Müller hängt der „Vierer“ an der Wand), der bekanntlich selbige Steinfliesen im Haus der Kunst mit dem Appeal einer frisch ausgelösten Lammschulter, also schön marmoriertem Fleisch, mit Füssen getreten hat.

Was atmet diese Kunst, was für eine Atmosphäre schafft sie? Intelligenz? Provokation? Penetranz? Gefühl? Kritik? Humor? Hinter allem steht ein Machtanspruch, den jede Kunst in sich trägt: meine Arbeit ist gültig und wichtig. Es ist wie bei den Parteien: da ist jemand an der Spitze einer „Bewegung“, die ihre Legitimation durch wohlgeneigte Journalisten, Kritiker, Galeristen und das „hundsgemeine“ Fußvolk bestätigt sehen möchte. Meine Partei ist das jedenfalls nicht, denn „Es springt nichts rüber.“, weder Floh noch Känguru. Was wird man in fünfzig Jahren über diese Kunst denken? Vielleicht: „Es ist wie es ist, sprach die Liebe.“, um mit Erich Fried zu reden.


In der Pinakothek der Moderne hatte ich eine bewegende Begegnung mit zwei Ureinwohnern vom Stamm der Enwukki Envasor Islands in Siebenbierien. Sie hatten davon gehört, dass in Deutschland Eisbären (Knut) und Wölfe (Wolfsburg) abgöttisch verehrt werden. Darum machten sie sich auf die lange Pfand-Raising-Tour, um ein Öko-Label für fair getötete Pelztiere zu promoten. Schließlich sind Pelze die älteste Kleidung der Menschheit. Darum haben sie gleich zwei traditionelle Kopfbedeckungen mitgebracht, um sie in der Design-Abteilung des Museums vorzustellen.


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Anmerkung 1:
Ich bekomme oft bezaubernde Echos auf die „NKN“. Ich bitte um Einverständnis, diese auch zu veröffentlichen.


Anmerkung 2:
Jörg Matthies verdanke ich den genialen Hinweis auf Mani Matter, unbedingt nachzuhören auf UTube als Ergänzung zur 19. Ausgabe mit den Mädels am Strand von Jamaica.

„Was gsehn i“, seit ds Vreni zum Stini
„Du treisch ja Mini-Bikini!“

„Das sy nid dyni Bikini“
Seit ds Stini
„S sy mini!“

„Ja, Stini, die Mini-Bikini sy dyni
das gsehn i“, seit ds Vreni
„S’treit keni so weni
Wi du“


Behalten Sie immer einen warmen und klaren Kopf!
Ben Siebenrock