15. Ausgabe, 12.07.2015


Liebe Kunstfreunde!

Der Panther ist los und jetzt? Nein, nicht der vom Zoo in Tiflis. Dieser hier ist in Sicherheit gebracht, nicht von Tierschützern auf leisen Pfoten, sondern von zwei lauten Bergepanzern. 30 Jahre war der „Panther“ gefangen in den Klauen eines Fetischisten, der sich als Heilsbringer in der Schneekatastrophe 78–79 mit seinem 40 Tonnen schweren Panzer tierisch aufspielte. Bei einem Lamborghini Pantera macht der Name ja noch etwas Sinn. Schon in einer früheren Ausgabe habe ich den Zusammenhang von deutschen Panzern und Tiernamen beleuchtet.

Was kann man eigentlich mit einer Flak ausrichten, die evtl. auf den Flandern Bunker auf der anderen Fördeseite ausgerichtet war, wo letztes Jahr die T 72 Atrappe als Kunstwerk stand? Zum Schneeräumen taugt sie jedenfalls nicht. Es mag Zufall sein, dass z.Z. in der Gerisch Stiftung zu Neumünster der Panzer steht, der sich aufblasen kann, allerdings nicht in der von mir schon früher vorgeschlagenen Self-Repair Technik (s. Ausgabe Nr. 3). Aber immerhin ist jeder aufblasbare Panzer von Natur aus ein Schwimmpanzer. Nun ist der ganze Müll bei der Bundeswehr, kein Gruselfaktor mehr auf dem Ostufer. Die Pressewellen aus aller Welt peitschten an die heimatlichen Gestade. Endlich mal was los hier. Jetzt schlabbert man nebenan seinen Capuccino im „Kiek Ut“. Alles wie immer.

Um der Koexistenz der beiden Panzer ein Kunstsahnehäubchen zu verpassen, sollte man sie für ein Bühnenbild für das „Wilde Kurdistan“ in Bad Segeberg zusammenführen. Das Stück wurde seit 1978 nicht mehr aufgeführt. Wegen der Türken? „Hart“ gegen „Weich“, wenn die „Demilitarisierung“ der Waffen offiziell ist. Das Publikum aus Flüchtlingen kann als Begrüßungskultur mit demilitarisierten G36 Gewehren aus dem echten Kurdistan auf den „Blow up“ Panzer mitballern, sei es mit Erbsenmunition, Smarties o.ä. Die Kalkbergarena wurde übrigens von Goebbels 1937 eingeweiht für hübsche Aufmärsche. Das hindert 20000 Fledermäuse nicht, tagsüber in der Kalkberghöhle Schutz zu suchen. Und manche braun gewirkte Seele auch. Von da ist es ein kleiner Schritt zu Karl May´s Lümmeln und Helden aus Vorderasien mit viel BummBumm. Jedenfalls habe ich mich noch nie mit der Lügenpresse und dem faschistoiden Mob wegen Kunst so angelegt wie in Bad Segeberg. Kein Wunder, dass der Ort erst 1134 christianisiert wurde.


P.S. Wer in den Ferien hier bleibt, sollte unbedingt unter Programm 2015 nach den Veranstaltungen im Steinpark Warder nachschauen.


Alles Gute!
Ben Siebenrock