13. Ausgabe, 21.06.2015


Liebe Kunstfreunde!

Wer kennt Judith Malina? Eben.

Lebendiges Theater ist doch was Schönes. Auf Englisch heisst das: „Living Theatre“. So heisst  die wohl berühmteste Theatertruppe des letzten Jahrhunderts. Und Frau Malina hat eben diese Truppe mit Julian Beck gegründet. Sie wurde 1926 geboren. Wo? In Kiel! Zumindest steht sie in der Liste der berühmtesten Kieler bei Wikipedia neben Raffael Rheinsberg und Feridoun Zaimoglu. Bei allem, was von hier aus in die weite Welt hinausging: z.B U Boote, Quantentheorie oder der Kreiselkompass – damit hat wohl niemand gerechnet. Gibt es irgendwo einen Hinweis auf diese Frau? Da hat die Frauenbewegung wohl tief geschnarcht. Es muss ja keine Bronzetafel am Schauspielhaus sein, aber vielleicht eine Uferpromenade (Hindenburgufer), die nach der nächsten Bürgerbefragung umbenannt werden könnte. Klar, Theater ist Luxus. Erst recht in einem Land, in dem es in der Politik so viel Theater gegeben hat in den letzten Jahrzehnten. Man denke nur an den Mann in der Badewanne. Das hat es seit  dem Bild „Der Tod des Marat“ (1793) nicht mehr gegeben. Eigentlich könnten die Politiker den Job der Schauspieler mit übernehmen. Bedingung: sie tauschen die Gehälter. Das würde die Kulturetatberatungen sehr erleichtern. Das Parlament eignet sich hervorragend als Guckkasten-Theater, weil vollverglast. Jeder kann mit gucken, ganz demokratisch. Kultur für alle ohne Falle. Ich würde gerne Hern Kubicki als King Lear und Herrn Stegner mal als Macbeth erleben. Stimmlich sind sie sehr durchtrainiert. Zumindest so wie der „Ja-Ja, Nö-Nö“ Künstler (Josef Beuys), der sich sehr gut inszenieren konnte, ganz ohne Regisseur. Manche Auftritte im Parlament könnten noch mehr mit Videoprojektionen, Leid- Schaus usw. aus der Trickkiste der Bühnenbildner gestaltet werden. Und mal andere Kostümierung oder Maskierung könnte der starren Mimik der Aktöre frischen Wind unter die Dresskotflügel blasen. Oder echtes Blut und falsche Tränen. Wir hatten ja schon mal einen Führer, der Schauspielunterricht genommen hatte. Sonst wäre er Künstler geworden. Eine Bühne mit Politicker(strip-tease) oder Tyrannenmord hätte durchaus ein „Alleinstellungsmerkmal“. „Stellungen im öffentlichen Dienst“ – da wird niemand gähnen. Filmreife „Action“ im Landeshaus oder den nächsten Tatort mit Axel Prahl (der 1984 lange in der Disco „Pfefferminz“ rumlungerte): „Tod in der Kantine“.

Das bringt Leben in die Demokratie.
Ben Siebenrock